Abonewsletter September 2026
DER STANDARD / In eigener Sache
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Liebe:r Leser:in,

sehen wir eigentlich noch dieselbe Welt?

Diese Frage lässt mich gerade nicht los. Wenn ich auf TikTok ein Verschwörungsvideo bis zum Ende anschaue, einfach weil ich wissen will, was da behauptet wird, kann der Algorithmus überhaupt erkennen, warum ich dranbleibe? Kann er unterscheiden, ob ich etwas gut finde oder nur neugierig bin? Oder sieht er vor allem, dass ich lange zugeschaut habe und zeigt mir mehr davon? Jeder Klick, jedes Wegwischen, jede Sekunde wird zum Signal und entscheidet mit darüber, was ich als Nächstes von der Welt zu sehen bekomme.

Was macht das mit uns und mit einer Demokratie, die davon lebt, dass wir uns auf eine gemeinsame Wirklichkeit verständigen können?

Am 12. September widmen wir diesen Fragen eine ganze Schwerpunktausgabe. Wir zeigen, wie einfach Deepfakes entstehen, lassen eine Althistorikerin KI-„Dokus“ über das antike Rom zerlegen und erzählen, wie Radikalisierung mit Fitnessvideos beginnen kann. Wir fragen, warum Chatbots zu Vertrauten werden und wie leicht wir selbst zu manipulieren sind.

Dabei sparen wir den Journalismus nicht aus: Was müssen wir besser machen? Wie transparent müssen wir zeigen, wie wir recherchieren, Quellen prüfen und mit Zweifeln umgehen? Wie verdienen wir Ihr Vertrauen jeden Tag aufs Neue?

Medienkompetenz ist für uns deshalb mehr als ein Schwerpunkt. Wir schulen Lehrlinge und Lehrkräfte, zum Beispiel am 17. November beim „Tag der Medienkompetenz“ in Kooperation mit der Pädagogischen Hochschule Wien, und haben einen eigenen Hub mit aktuellen Informationen und Lernunterlagen aufgebaut. Dazu starten wir nun einen Newsletter und ein Jugendformat auf TikTok und Instagram.

Warum wir so viel Energie in das Thema hineinstecken? Weil eine Gesellschaft, die nicht mehr weiß, was und wem sie glauben kann, irgendwann die gemeinsame Grundlage für ihre Debatten verliert.
Nana Siebert
Liebe Grüße

Nana Siebert
stellvertretende Chefredakteurin
PS: Unsere Redaktion steht Ihnen jederzeit gern zur Verfügung – sowohl für Lob als auch für Kritik. Sie erreichen uns unter dialog@derStandard.at.
Ressort Medienkompetenz
Medienkompetenz entdecken
Alle Informationen zum Thema „Medienkompetenz“, unsere Unterlagen für Lehrer:innen sowie Artikel zu KI und Digitalisierung finden Sie gesammelt im Hub für Medienkompetenz.
Neues aus der Redaktion
Schwerpunktausgabe "Wem wollen wir noch glauben?"
Wem wollen wir noch glauben?
Am 12. September erscheint unsere neue Schwerpunktausgabe „Wem wollen wir noch glauben?“. Auch auf derStandard.at werden diverse Inhalte zum Thema „Medienkompetenz“ zu finden sein.
Newsletter "Re: Check"
Unser neuer Newsletter
Diesen Monat startet unser neuer monatlicher Newsletter „Re: Check“ mit Wissen, Orientierung und praktischen Tipps für den digitalen Alltag. Melden Sie sich gleich zum Newsletter an.
Social Media
Wir auf Social Media
Ebenfalls diesen Monat starten wir auf unseren Social-Media-Kanälen auf Instagram und TikTok mit einem neuen regelmäßigen Format zum Thema „Medienkompetenz“.
In eigener Sache
Mehr wesentliches
Weniger nebensächlich. Mehr wesentlich. 
Unter diesem Motto finden Sie alle unsere Inahlte gebündelt an einem Ort. Lesen, hören oder disktuieren: finden Sie das Format, das zu Ihnen passt. 
Tag der Medienkompetenz
Tag der Medienkompetenz 2027
Wie können Jugendliche sicher und kritisch mit Informationen im Netz umgehen? In Workshops und Vorträgen stärken Lehrkräfte ihre Medienkompetenz für den Unterricht.
Der Weg von der Idee zum veröffentlichten Artikel ist selten geradlinig.
Rainer Schüller
Rainer Schüller, stellvertretender Chefredakteur, im Interview über den Weg einer Idee bis zum veröffentlichten Artikel.
Woher kommen die Ideen und Informationen für eine Recherche? Wie wird entschieden, was weiterverfolgt wird und was verworfen wird?
Rechercheideen entstehen aus vielen Quellen: aus aktuellen Ereignissen und politischen Debatten, aus Hinweisen von Leser:innen wie etwa über das STANDARD-Forum, Informant:innen oder Expert:innen, aus Dokumenten und Daten, aus Beobachtungen der Journalist:innen sowie aus der laufenden Berichterstattung. Oft beginnt eine Recherche mit einem kleinen Hinweis, einer auffälligen Zahl, einem Widerspruch oder einer Frage, auf die es bisher keine befriedigende Antwort gibt.

Ob eine Idee weiterverfolgt wird, hängt vor allem von ihrer journalistischen Relevanz ab: Gibt es belastbare Quellen? Betrifft sie viele Menschen? Gibt es etwas Neues zu erzählen? Ist die Information überprüfbar? Und rechtfertigt die Geschichte den Rechercheaufwand? Auch die Exklusivität und die Frage, ob ein Missstand oder ein bisher unbekannter Zusammenhang aufgedeckt werden kann, spielen eine Rolle. Nicht jede interessante Spur führt zu einer Geschichte. Wenn sich ein Hinweis nicht ausreichend belegen lässt, die Quellenlage zweifelhaft ist, die Relevanz zu gering ist oder die Recherche keine neuen Erkenntnisse bringt, wird sie verworfen.
Welche Stationen muss eine Recherche durchlaufen, bis aus einer Idee ein veröffentlichter Artikel wird?
Am Anfang steht die Prüfung der Ausgangsthese: Was wissen wir bereits, was wollen wir herausfinden und welche Fragen müssen beantwortet werden? Danach beginnt die eigentliche Recherche. Redakteur:innen suchen entweder als Einzelpersonen oder im Team Dokumente und Daten, sprechen mit Betroffenen, Expert:innen und Verantwortlichen und versuchen, die unterschiedlichen Perspektiven zusammenzuführen.

Mit zunehmender Recherche wird die ursprüngliche These überprüft und gegebenenfalls korrigiert. Jede wichtige Information muss durch unabhängige Quellen oder belastbare Dokumente abgesichert werden. Bei Vorwürfen erhalten die Betroffenen die Möglichkeit, Stellung zu nehmen. Das Recherchematerial wird dokumentiert.

Wenn die Faktenlage ausreichend belastbar ist, wird die Geschichte redaktionell eingeordnet: Was ist die zentrale Erkenntnis? Was ist für die Leser:innen relevant? Welche Informationen gehören in den Text und welche nicht? Danach folgen das Schreiben, das Redigieren, der Faktencheck und gegebenenfalls eine rechtliche Prüfung durch das interne Legal-Team des STANDARD oder über externe Medienrechtsanwält:innen. Dann wird der Text mindestens nach dem Vieraugenprinzip gegengecheckt. Die Qualitätsprüfung erfolgt je nach Text im jeweiligen Ressort, durch die Ressortleitung, durch die Chef:innen vom Dienst, durch den Textchef und die Chefredaktion. Erst am Ende steht die Veröffentlichung – wobei auch nach der Veröffentlichung Fehler korrigiert und neue Erkenntnisse mit einem entsprechenden Hinweis ergänzt werden können.
Welche Arten von Quellen werden für die STANDARD Recherchen genutzt? Wie wird mit zweifelhaften Informationen umgegangen und wie funktioniert der Faktencheck beim STANDARD?
Eine Recherche stützt sich auf so viele unterschiedliche und unabhängige Quellen wie möglich. Dazu gehören offizielle Dokumente und Akten, Studien und wissenschaftliche Publikationen, Datenbanken, parlamentarische Unterlagen, Gerichts- und Ermittlungsakten, Unternehmen und Behörden, aber auch Informant:innen, Betroffene, Expert:innen und eigene Beobachtungen. Auch öffentlich zugängliche Informationen im Internet und in sozialen Medien können Ausgangspunkte für Recherchen sein – sie sind aber je nach Quellenlage unterschiedlich verlässlich und bedürfen eines Faktenchecks.

Je schwerwiegender eine Information oder ein Vorwurf ist, desto höher sind die Anforderungen an die Belege. Gerüchte oder Hörensagen werden nicht als Tatsache übernommen. Zweifelhaften Informationen wird nachgegangen: Woher stammt die Info? Welche Interessen könnte die Quelle haben? Lässt sie sich durch Dokumente oder andere unabhängige Quellen bestätigen? Gibt es Gegenargumente oder eine alternative Erklärung?

Der Faktencheck ist ein laufender Prozess bis zur Veröffentlichung. Namen, Zahlen, Zitate, zentrale Behauptungen werden überprüft und mit den Originalquellen abgeglichen. Es ist oft hilfreich, im Team zu arbeiten oder den Zwischenstand einer Recherche von Kolleg:innen lesen zu lassen. Bei kontroversen Geschichten wird besonders darauf geachtet, zwischen gesicherten Fakten, Aussagen von Quellen und journalistischen Schlussfolgerungen klar zu unterscheiden. Gute Recherche zeichnet sich auch dadurch aus, dass aussortiert wird, was sich nicht ausreichend belegen lässt.

Eine Recherche ist selten ein geradliniger Weg von der Idee zum fertigen Artikel. Häufig verändert sich die Geschichte durch die Recherche selbst. Die ursprüngliche Vermutung bestätigt sich manchmal nicht – dafür stößt man vielleicht auf einen anderen, unerwarteten Zusammenhang. Genau dieses „Was weiß ich noch nicht?“ ist oft der spannendste Teil journalistischer Arbeit, die, getrieben von Neugier, zu jenen Artikeln führt, die die Leser:innen des STANDARD interessieren und inspirieren und bestenfalls neue Perspektiven eröffnen.
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Am 8. September erschien eine neue Ausgabe des Live-Formats DER STANDARD im Gespräch zum Thema „Medienkompetenz“. Sie können es hier nachschauen.
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